Planetopia Magazin vom 16.11.08 um 22.45 Uhr auf SAT 1
Thema "Unseriöser Hundehandel"
Welpen im Internet - in allen Formen und Farben sind sie zu haben. Dutzende verschiedene Rassen sind im Angebot - einige zu relativ günstigen Preisen. Manche Anbieter garantieren wunderschöne, gesunde und kinderliebe Welpen. Und verkaufen trotzdem kranke Tiere. André Kessing aus Essen wollte sich vor zwei Jahren eine Bordeaux-Dogge zulegen. Ein Verkäufer inseriert junge Hunde im Angebot. André Kessing fährt hin.
Der Hundeverkäufer hat eine riesige Zwingeranlage mit etlichen Rassen, wie diese Aufnahmen zeigen. Welpen und junge Hunde verschiedenen Alters. André kauft den damals sechs Monate alten Isidor.
André Kessing: "Es war eine Vielfalt von Hunden da, und es stand für mich von Anfang an fest, es sollte eine Bordeaux-Dogge sein, und es war Liebe auf den ersten Blick."
Der Bordeaux-Doggen-Rüde macht beim Verkäufer noch einen recht aufgeweckten Eindruck. André Kessing kauft ihn für 650 Euro.
André Kessing: "Nachdem er dann zu Hause war, ein, zwei Tage später, fing er an, nach dem Aufstehen zu humpeln. Das legte sich dann nach ein paar Schritten wieder. Und das wurde von Mal zu Mal schlimmer, bis er nicht mehr auftreten konnte."
Isidor muss gleich zum Tierarzt. Dort stellt sich heraus: er ist voller Parasiten und Würmer. Doch nicht nur das. Sein rechtes Ellenbogengelenk ist kaputt. Eine genetisch bedingte Ellenbogendisplasie.
André Kessing: "Isi wurde auf der rechten Seite operiert, nachdem die Tierklinik eine Computertomografie gemacht hatte, wo man erkennen konnte, dass vom Ellenbogengelenk ein Stück abgesplittert war, das wurde dann operativ entfernt. Und danach hat das fast ein halbes Jahr gedauert, bis er richtig laufen konnte, weil alles auch erst verheilen musste."
Über tausend Euro hat die Operation mit Nachsorge gekostet. Und auch Isidors linkes Bein muss demnächst unters Messer. Noch nicht einmal drei Jahre alt und schon so krank.
Liegt das am Verkäufer? Wir zeigen die Bilder vom Zwinger, aus dem der Hund verkauft wurde. Dr. Angela Mittmann vom Institut für Tierschutz und Verhaltenskunde der Universität München. Sie rät dringend davon ab, Tiere aus solchen Zwingern zu kaufen.
Dr. Angela Mittmann, Universität München: "Welpen verschiedener Rassen, verschiedenen Alters ohne das Muttertier, mehr oder weniger zusammengepfercht, wo ich denke, das ist kein guter Start ins Hundeleben, und kein Halter tut sich einen Gefallen, von so einem Züchter einen Hund zu kaufen."
Denn kein Züchter kann seriös und artgerecht so viele Welpen selbst züchten. Es handelt sich hier vielmehr um einen Händler. Doch woher stammen seine Tiere? Stefan Bröckling von der Tierrechtsorganisation PETA hat den Hundehändler mit versteckter Kamera besucht. Vor wenigen Wochen hat der sein Anwesen renoviert und eine neue Welpenstube eröffnet.
Er zeigt dem Tierschützer den Zwinger. Die Anlage - sehr modern, nagelneu. Rund 140 Welpen verschiedenster Rassen, verteilt auf zwei Stockwerke. Der Tierschützer ist entsetzt. Stefan Bröckling, Tierrechtsorganistation PETA: "Auf mich hat das einen Eindruck gemacht wie ein Sammellager für Welpen. Massentierhaltung von Welpen, um viele Welpen an Menschen verkaufen zu können."
Stefan Bröckling bittet um ein Beratungsgespräch. Eine Mitarbeiterin gibt Auskunft. Stefan Bröckling: "Sind das alles deutsche Hunde?" Verkäuferin: "Nicht unbedingt. Die kommen aus Holland und mein Chef holt viele aus Ungarn. Er fährt selber hin, guckt sich die Tiere an. Also, wir haben da wirklich gute Erfahrungen gemacht."
Viele Käufer allerdings haben schlechte Erfahrungen mit den Hunden dieses Händlers gemacht. Sandra Röttger hat die englische Bulldogge Püppi vor zehn Tagen aus genau diesem Zwinger gekauft. Schon kurze Zeit später hat si gemerkt, dass der Hündin etwas fehlt. Sandra Röttger: "Wir sind nach Hause gekommen, und dann ist sie auf die Wiese zugesteuert, hat Durchfall gehabt mit Blut und Husten mit Auswurf, da habe ich mir gedacht: sie ist krank."
Heute ist Sandra Röttger schon zum zweiten Mal mit Püppi beim Tierarzt. Eine Woche lang musste sie Antibiotika gegen den Husten, Tabletten gegen Würmer und Medikamente gegen Viren schlucken. Dr. Marek Tarnazewski untersucht Welpen von diesem Händler immer ganz genau. Denn dem Tierarzt ist der Mann schon seit Jahren ein Begriff. "Weil wir sehr oft Hunde von ihm bekommen. Im Durchschnitt haben wir ein- bis zweimal pro Woche einen Hund von ihm, einen Welpen, einen neu gekauften Hund. Und die Hunde sind von Hautkrankheiten betroffen, dass sind parasitäre Krankheiten, also wurmbedingte Krankheiten."
700 Euro hat Sandra Röttger für die kranke Hündin bezahlt. Hinzu kommen jetzt auch noch die Rechnungen vom Tierarzt. André Kessing will sich die Kosten für Isidors Behandlung und Operationen wiederholen. Er klagt gegen den Händler. Sein Rechtsanwalt Peer Fiesel hat neben ihm weitere 80 Mandanten vertreten. Alle haben von diesem Händler Hunde gekauft, die krank waren oder jung gestorben sind. Peer Oliver Fiesel, Rechtsanwalt: "Hier sind nach meiner Auffassung systematisch Tiere verkauft worden, die nicht richtig gepflegt wurden, die schlecht behandelt wurden."
Das Geschäft mit Welpen im Internet blüht. Alle Rassen sind hier zu haben. Doch unter den Anbietern sind auch unseriöse Hundehändler, die kranke Tiere verkaufen. Rechtsanwalt Fiesel hat Dutzende von
Mandanten, die von unseriösen Verkäufern kranke Welpen erstanden haben. Viele holen die Tiere aus dem Ausland.
Peer Oliver Fiesel, Rechtsanwalt: "Wir hören oft von Ländern wie Ukraine, Lettland, Estland, Polen, Russland, meist aus dem Osten, dass dort viele private Tiere züchten, da aber nicht das Niveau tierärztlich angelegt wird und aufzuchtsrechtlich so wie hier. Und dass das dann billig ist und dass die dann dorthin gekarrt werden, wo die Menschen solche Tiere gerne kaufen, und da ist Deutschland ein gutes Abnehmerland."
Das Tückische: für den Laien ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, ob ein Züchter seriös arbeitet. Özlem Tas hat im Sommer letzten Jahres über das Internet einen Mops gesucht. Das Inserat wirkte auf sie ansprechend. "Als ich gelesen habe, dass die auf einem Bauernhof leben, mit Katzen und Kindern aufwachsen, dort war angegeben, dass sie geimpft sind, dass sie gesund sind, und dann bin ich dorthin gefahren und habe sie mir angeschaut." Sie kauft die acht Wochen alte Ashanti für 480 Euro. Die ersten Wochen scheint sie gesund. Doch zwei Monate später verfärbt sich plötzlich ihre Haut schwarz, sie verliert ihr Fell. Die Hündin hat eine nicht verheilende Milbenerkrankung aufgrund einer Immunschwäche, außerdem ständig entzündete Ohren und Augen. Sie muss monatelange Behandlungen über sich ergehen lassen. Frauchen Özlem Tas flößt ihr zig verschiedene Medikamente ein, bringt sie ständig zum Tierarzt und bezahlt hohe Rechnungen. Vergeblich. Özlem Tas: "Dramatisch wurde, als sie sich nicht mehr bewegt hat, sie lag da ganz starr, die Augen sind hervorgetreten und sie hat nicht mehr reagiert, nicht auf Zurufen, so dass ich sie dann gleich genommen habe und zum Tierarzt gebracht habe." Das war vor acht Wochen. Tierärztin Dr. Schöndorfer hat die Hündin damals behandelt. Sie erinnert sich. "Die Hündin litt unter Streckkrämpfen, epilepsieähnlichen Anfällen, war kaum ansprechbar gewesen. Und es ging ihr sehr schlecht. Das war ein sehr kranker Hund, und das darf in dem Alter nicht sein."
Ashanti überlebt die Nacht nicht. Sie stirbt im Alter von einem Jahr. Der Züchter inseriert immer noch und wirbt mit gesunden Hunden. Auch ihn hat die Tierrechtsorganisation PETA mit versteckter Kamera besucht. Hier ist zwar alles etwas kleiner, doch auch dieser Verkäufer hat mehrere Rassen zur Auswahl. Und er brüstet sich mit der Qualität seiner angeblich eigenen Zucht. Züchter: "Ist ja so viel im Internet mit Hunderassen aus dem Ausland, ganz schlimm, was da an Krankheiten alles mitgezüchtet wird. Uns ist wichtig, dass sie gesund das Haus verlassen." Der Hund von Özlem Tas jedenfalls hat das Haus krank verlassen. Deshalb verklagt sie den Züchter auf Schadenersatz. Die Chancen, dass sie die Kosten für die Hündin zurück bekommt stehen gut, denn ihre Immunschwäche war genetisch bedingt. Aber woran hätte Özlem erkennen können, dass ihr Züchter unseriös ist?
Dr Angela Mittmann, Universität München: "Ein seriöser Züchter hat eine Rasse, maximal zwei, kennt die Muttertiere, hat die selber zu Hause, kennt den Vater, hat die Zuchthunde untersuchen lassen auf Erbkrankheiten, und wenn daraus dann Welpen entstehen, dann ist das für mich seriöse Zucht." |